nach dem fest das fest

eine interkulturelle wanderausstellung: Lyrik | Artwork | Installation

Mit einem Fest beginnt die Reise. Einem Dorffest im rumänischen Banat, „das der Pfarrer und 15 Trachtenpaare nutzten, um zu türmen“, erzählt die Lyrikerin Katharina Eismann. Über die Grenze, fort aus der Ceausescu-Diktatur. Dieses Fest, das zur Flucht wird, hat sich im Nachbardorf von Eismanns Großmutter ereignet. Eine Begebenheit, die zur Legende wird, für die, die auch fortwollen.

 

Die Geschichte dieses Fests, die Eismann auch literarisch verarbeitet hat, erzählte sie dem Maler und Objektkünstler Hagen Bonifer. Im Austausch der Beiden „blieb das Fest hängen“, sagt sie. Zusammen mit Sven Eismann, der sich mit Installationen beschäftigt, entstand die Idee, eine Tafel zu gestalten. Eine Tafel, die gleichzeitig ein Gleis ist, ein Tisch, der reist.

 

In Kooperation mit dem Landesintegrationsprogramm WIR (Wegweisende Integrationsansätze Realisieren) bei der Stadt Offenbach entwickelten die drei Künstler die Idee weiter zu einer interkulturellen Wanderausstellung mit Lyrik, Artwork und Installation, die über mehrere Stationen bis nach Temeswar im rumänische Banat führt.



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Die Seele ist ein Zugvogel 

sie lebt aus dem Wolkenkoffer

(Katharina Eismann)

 

„Nach dem Fest das Fest“

Ein künstlerisch-poetischer Blick über den Tellerrand

 

Ein Tisch aus echten Bahnschwellen, gedeckt mit Kunst, mit Textzeilen – eine autobiographische Landkarte steht im Raum.  Rückblende in die rumänische Diktatur: Nach einem Kirchweih-Fest türmte die Festgesellschaft über die rumänisch-jugoslawische Grenze. Diese Fluchtgeschichte inspirierte zum Titel der Wanderausstellung. Erzählt wird sie in S. K. Eismanns „Bordbuch Grenzgänge“. Darin verwortet die gebürtige Temeswarerin autobiografische Haltestellen vom Mainbogen bis zur Donaumündung.

 

Die Ausstellung verbindet Design, Poesie und bildende Kunst.  Der Gleistisch ist ein Entwurf von Sven Eismann, Tischler und Installationskünstler. Als Grenzgänger ist der gebürtige Frankfurter zwischen Handwerk und Kunst unterwegs. 

 

Hagen Bonifers großformatige Gemälde thematisieren die Reise, das Gelebte und Verlassene. Gleise, leere Räume, schattenhafte Gestalten zeigen sich in den „verletzten“ Bildern, die gealterten Häuserwänden gleichen, von denen der Putz abblättert.

 

Schlichte Materialien, haptische Formen prägen den Raum, der Tisch vermittelt eine Atmosphäre von Gastfreundschaft. Die Besucher werden nicht überflutet.  Sie sind eingeladen am Gleistisch Platz zu nehmen, sich auf die verbindende Kraft der Kunst und Poesie einzulassen, das Gelesene zu vertiefen, eigene Geschichten zu erzählen. 

 

Die Ausstellung stellt einen Brückenschlag zwischen West und Ost, zwischen der Kultur und Subkultur Offenbachs über den Mainbogen nach Temeswar der Heimatstadt Katharina Eismanns. Im Bordbuch kommen Grenzgänger, Marktfrauen, Fratschlerinnen, Überlebenskünstler aus Temeswar zu Wort wie Weltmusiker auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz. Heute und gestern verweben. Tabus, Vorurteile werden überwunden, die heute wieder wie Gespenster in Europa spuken.

 

Die Ausstellung ist völkerverbindend. Tabus, Vorurteile werden überwunden, die heute wieder wie Gespenster in Europa spuken. Sie thematisiert Sprachen, Brauchtum, Geschichte und Geschichten, Landschaften und Flussläufe. Sie lädt ein, am gemeinsamen Tisch Europas Platz zu nehmen, an der Haltestelle Temeswar, einem Schmelztiegel der Vielfalt.

 

Es ist wie im wahren Leben. Nur am Tisch Platz zu nehmen, reicht noch nicht für ein Fest oder eine Verständigung. Dies können die Gespräche der Besucher sein, aber auch Lesungen, interdisziplinäre Events, experimentelle Kunst, abgestimmt auf den Ausstellungsort, Region und Land. Alle Regionen der aufgespannten Main-Donau-Brücke sind eingeladen, beizutragen, um - bildhaft - der Kulturbrücke Tragfähigkeit zu verleihen.

 

Chronologie:

Das Eismann – Bonifer – Eismann Projekt „Nach dem Fest das Fest“ wandert vom Mainbogen die Donau entlang mit den Hinterlassenschaften, den Erlebnissen im Gepäck. 

 

2016 wurde die Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte in Offenbach am Main eröffnet und in zahlreichen Kulturevents bespielt.

2017 im Rahmen der Rumpenheimer Kunsttage im Türkischen Pavillon

2018 gastierte die Wanderausstellung im DZM Museum in Ulm (Mai – Juli), parallel zum Heimattag der Landsmannschaft der Banater Schwaben. In Kooperation mit dem „International Salon“ und dem DZM, leitete Katharina Eismann einen Lyrikworkshop in Englisch.

2018 wurde der Gleistisch anlässlich des Jubiläums von Medico International im Frankfurter Osthafen gezeigt.

2020 (vom 21 Mai bis Mitte Juli) gastiert die Ausstellung in Temeswar in der Gallery Calpe in der Maria Theresia Bastion.